Grabungen am Hohlweg in den Sohlener Bergen

Hohlwege gehören aufgrund der geographischen Gegebenheiten zu den seltenen Bodendenkmalen im nördlichen Sachsen-Anhalt. Sie sind als Zeugnisse der Wirtschafts- und Verkehrsgeschichte einer Region jedoch besonders interessant. Ein ungewöhnlich tief eingeschnittener Hohlweg befindet sich in den Sohlener Bergen zwischen Beyendorf und Westerhüsen. Im Zuge einer geplanten Wegebaumaßnahme der GISE (Gesellschaft für Innovation, Sanierung und Entsorgung mbH) im Hohlweg war auf Anregung eines bündnisgrünen Stadtrates im Jahr 2012 eine Übereinkunft zwischen GISE, der Stadt Magdeburg und der Oberen Denkmalschutzbehörde getroffen worden, wonach die Maßnahme in Begleitung durch das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie durchgeführt wird, um der Geschichte des Hohlweges auf die Spur zu kommen und nicht versehentlich ein Bodendenkmal zu zerstören.

Im März 2014 war die Vereinbarung bei der GISE jedoch in Vergessenheit geraten, so dass die Bauarbeiten ohne Begleitung von Archäologen begannen. Durch einen kurzfristigen Hinweis an die Untere und Obere Denkmalschutzbehörde konnte dort jedoch noch schnell reagiert werden. Es wurde ein Baustopp verhängt. Archäologen führten an drei Stellen Grabungen durch. In zum Teil etwa 20 bis 30 cm Tiefe wurden dabei eine alte Pflasterung des Weges festgestellt, deren Alter von den Fachleuten noch geklärt werden muss. Hilfreich dabei könnte auch ein alter im Bereich der Pflasterung gefundener Hufnagel sein.

Diskussion der Befunde einer Suchschachtung am Hohlweg, Foto: Olaf Meister

Diskussion der Befunde einer Suchschachtung am Hohlweg, Foto: Olaf Meister

Ob der Weg formal den Ansprüchen an ein Bodendenkmal genügt ist offen, wobei die Magdeburger Stadtverwaltung in einem jüngeren Schreiben von einem Bodendenkmal ausgeht. Dass der Weg jedoch einen interessanten Bestandteil der Landschaft darstellt und schon in vergangenen Zeiten eine verkehrstechnische Bedeutung hatte, ist unstrittig. In einer Besprechung vor Ort konnte im Hinblick hierauf zumindest vereinbart werden, dass der neue Wegebau schmaler angelegt wird als zunächst geplant, um den eigentümlichen Charakter des Hohlwegs zu bewahren. Auch soll ein Eingriff in die tiefer liegende Pflasterung vermieden werden.

Eine Auswertung der Grabungsergebnisse soll noch geraume Zeit in Anspruch nehmen und ist vermutlich nicht mehr im Jahr 2014 zu erwarten. Der von der Oberen Denkmalschutzbehörde ausgesprochener Baustopp konnte zwischenzeitlich wieder aufgehoben werden.

Überlegungen zum Hohlwegbefund

Ungeklärt ist leider die ursprüngliche Bedeutung des Wegs. Er könnte in Zusammenhang mit der Salzgewinnung an der Sülze zu sehen sein. Bekannt ist, dass in der Zeit zwischen 1299 und 1726 sowohl in Beyendorf als auch in Sohlen eine Salzgewinnung erfolgte. Die beide Orte durchlaufende Sülze ist auch heute noch salzhaltig. Urkundlich belegt ist auch, dass sich südlich von Westerhüsen, in dem später wüst gewordenen Dorf Pötritz und auf der südlich hiervon gelegenen Wahlwiese, ein Umschlagplatz für Salz befand. Aus Staßfurt, Sohlen und Sülldorf kommendes Salz wurde hier auf Elbkähne umgeladen. Überliefert ist insbesondere ein Kaufvertrag zwischen Magdeburger Kaufleuten und Staßfurter Pfännern vom 1. Juli 1372, wonach ein Teil der Ware bei der „Walwitz bei Potheritz“ verladen werden sollte. Noch heute tragen Flurstücke südlich von Westerhüsen auch tatsächlich Namen wie Pötritz und Wahlwiese. Interessant ist, bezogen auf den Hohlweg, dass sich sein Verlauf in der direkten Linie zwischen Beyendorf und Pötritz befindet. Insofern liegt die Vermutung nahe, dass das Beyendorfer Salz über diese kürzeste Verbindung an den Umschlagplatz zur Elbe gebracht wurde. Hinweise hierauf haben die Grabungen jedoch leider wohl nicht ergeben. Unabhängig von dieser möglichen besonderen Bedeutung dürfte der Hohlweg jedoch auch schlicht der kürzeste Weg gewesen sein, um von Beyendorf den Höhenzug der Sohlener Berge zu überwinden und die östlich hiervon gelegene Feldmark Westerhüsens, aber auch die Straße nach Schönebeck und die Fähre Westerhüsen zu erreichen. Den landschaftlichen Gegebenheiten und der Tatsache, dass der moderne Straßenbau eine etwas andere Route nahm, haben wir es zu verdanken, dass der Hohlweg noch heute erlebbar ist.

Über den Autor

Olaf Meister

wurde 1971 in Magdeburg geboren und absolvierte nach einer Ausbildung zum Elektromonteur ein Jura-Studium. Nach dem Referendariat ließ er sich als Rechtsanwalt in Magdeburg nieder. Olaf ist politisch engagiert. So von 1999 bis 2004 und seit 2014 erneut als Stadtrat in Magdeburg sowie seit 2013 als Landtagsabgeordneter. Auf Wikipedia hat er einige Artikel zur Magdeburger Stadtgeschichte erstellt und bearbeitet.