Königlich Preußisches Amtsgericht Buckau – Buckau als Gerichtssitz

Tiemstraße 12 in Magdeburg Buckau, Foto: Olaf Meister, CC-BY-SA-3.0

Tiemstraße 12 in Magdeburg Buckau, Foto: Olaf Meister, CC-BY-SA-3.0

Ein Stück regionaler Justizgeschichte steht weitgehend unbekannt bis zum heutigen Tage in Buckau – das ehemalige Königlich Preußische Amtsgericht in der Thiemstraße 12. Im 19. Jahrhundert durchlief Buckau eine rasante Entwicklung. Aus einem kleinen verschlafenen Dorf an der Elbe wurde binnen weniger Jahrzehnte eine Industriestadt. Nachdem Buckau bereits 1859 das Stadtrecht erhalten hatte, wollten die Buckauer Kommunalpolitiker ihrer Stadt auch zu einem eigenen Gerichtssitz verhelfen. 1877 nahmen die städtischen Behörden Buckaus daher Verhandlungen mit den Justizbehörden auf, um ein Amtsgericht in Buckau einzurichten. Tatsächlich zeigte sich die Justiz interessiert. Bedingung war, dass Buckau auf eigene Kosten ein Gerichtsgebäude errichten und unabhängig von den tatsächlichen Baukosten zu einem festgelegten Preis von 38.000 Mark an die Justiz veräußern sollte. Buckau willigte 1878 ein. Für knapp 52.000 Mark wurde ein Gerichtsgebäude samt Gefängnis in der Wilhelmstraße, der heutigen Thiemstraße geplant. Der Bau wurde dann noch knapp 3.500 Mark teurer als vorgesehen, ein Problem das auch bei heutigen öffentlichen Bauvorhaben nicht unbekannt ist. Den Fertigstellungstermin konnte der den Bau ausführende Buckauer Maurermeister C.A.Schmidt jedoch einhalten. Im September 1879 erfolgte die Übergabe an die Justiz. Die Aufnahme des Gerichtsbetriebes war für den 1. Oktober 1879 vorgesehen.

Dem neugebildeten Gerichtsbezirk wurden neben der Stadt Buckau auch die Orte Beyendorf, Dodendorf, Fermersleben, Lemsdorf, Osterweddingen, Salbke, Sohlen und Westerhüsen sowie der Gutsbezirk Kreuzhorst zugeordnet.  „Fuderweise“ wurden dem neuen Gericht Akten aus seinem Zuständigkeitsbereich überstellt. Pünktlich am 1. Oktober erschienen auch bereits Landleute aus Dodendorf, um eine Schuldverschreibung aufnehmen zu lassen. Die Akten waren jedoch noch ungeordnet, so dass es nicht gelang die richtige Akte zu finden. Die Amtshandlung konnte daher erst am 2. Oktober durchgeführt werden. Eine erste Sitzung in Strafsachen erfolgte am 13. Oktober 1879. Schöffen waren der Buckauer Fleischermeister Friedrich North und der  aus Osterweddingen stammende Kossath August Herbst. Das Gefängnis konnte, der Bau war noch zu feucht, erst ab dem 1. November 1879 genutzt werden. Erste Insassin war ein Buckauer Schulmädchen, das wegen des Diebstahls einer Uhr verhaftet worden war. Überschattet war die Anfangszeit des Gerichtsbetriebes durch den überraschenden Tod des Gerichtsaktuars Adolf Vorberg. Er ertrank am 23. November 1879 in der Elbe.

Rückseite der Tiemstraße 12 in Magdeburg Buckau, Foto: Olaf Meister, CC-BY-SA-3.0

Rückseite der Tiemstraße 12 in Magdeburg Buckau, Foto: Olaf Meister, CC-BY-SA-3.0

Als eigenständiges Amtsgericht bestand Buckau nur bis zum 1. April 1887. Zeitgleich mit der Eingemeindung Buckaus nach Magdeburg wurde auch das Buckauer Gericht in das Amtsgericht Magdeburg eingegliedert. Der Gerichtsbetrieb ging jedoch weiter. Das Amtsgericht Magdeburg wurde in die Gerichtsbezirke Altstadt, Neustadt und Buckau unterteilt. Erst nach dem 1. Weltkrieg gab die Justiz die Nutzung des Buckauer Gerichtsgebäudes auf. Zeitweise war eine Polizeistation im Haus untergebracht. Heute betreibt die AWO im Gebäude das „Haus der sozialen Dienste Marie Arning“. Neben verschiedenen Beratungsstellen ist hier auch eine Kleiderkammer untergebracht.

Wer genau hinsieht, kann in dem Haus, mit seinem mächtigen Dreiecksgiebel und dem ungewöhnlichen Hinterhaus, noch das alte Buckauer Amtsgericht mit seinem Gefängnis- ein Stück Magdeburger Justizgeschichte – erkennen.

  • Schmidt, Christian Andreas: Chronik der Stadt Buckau, Magdeburg 1887, S. 186ff.
  • Dieser Artikel erschien in veränderter Fassung auf Wikipedia und wurde dort vom Autor angelegt und mehrfach bearbeitet.

Über den Autor

Olaf Meister

wurde 1971 in Magdeburg geboren und absolvierte nach einer Ausbildung zum Elektromonteur ein Jura-Studium. Nach dem Referendariat ließ er sich als Rechtsanwalt in Magdeburg nieder. Olaf ist politisch engagiert. So von 1999 bis 2004 und seit 2014 erneut als Stadtrat in Magdeburg sowie seit 2013 als Landtagsabgeordneter. Auf Wikipedia hat er einige Artikel zur Magdeburger Stadtgeschichte erstellt und bearbeitet.