Ein Einblick in den Altbestand der Stadtbibliothek

Zum Welttag des Buches hatte die Magdeburger Stadtbibliothek zu einem Blick hinter die Kulissen mit Führungen durch den Altbestand geladen.

Obwohl die Magdeburger Stadtbibliothek bereits zu 1525 erstmals erwähnt wurde und damit in absehbarer Zeit ein halbes Jahrtausend alt wird, überdauerten aufgrund der Zerstörung Magdeburgs im Dreißigjährigen Krieg und infolge der Wirrungen und Einwirkungen während des Zweiten Weltkrieges keine bzw. kaum Bestände aus älteren Zeiten in der Bibliothek. Dennoch verfügt der Altbestand heute wieder über 80.000 Exemplare, die im Gebäude der Stadtbibliothek auf drei Etagen aufbewahrt werden. Eine Auswahl der sonst hinter verschlossenen Türen gelagerten und nur im Lesesaal einsehbaren Kostbarkeiten stellte die zuständige Bibliothekarin Ilona Brditschke interessierten Besucherinnen und Besuchern vor.

Altbestand Stadtbibliothek MD Beitrag 1So wurde unter anderem mit dem zweiten Band des Werkes mit dem Titel „Theatrum Europaeum“ ein Buch aus dem 17. Jahrhundert gezeigt, das trotz des Alters noch gut erhalten ist und für historisch interessierte Menschen besonders durch die ausführlichen Beschreibungen des Dreißigjährigen Krieges aus einer mehr oder weniger zeitgenössischen Perspektive sowie die vielen Kupfertafelabbildungen etwas Besonderes ist.

Neben den gut erhaltenen Büchern im Altbestand gibt es natürlich auch einige Stücke, an denen der Zahn der Zeit genagt hat. Die Stadtbibliothek bemüht sich stets – im Rahmen des Möglichen – um Restaurierungen dieser Stücke. Mit einer Auswahl an erhaltenen und restaurierten Schriften des 16. Jahrhunderts aus dem Altbestand wurde dabei die aufwendige Arbeit solcher Restaurierungen aber auch die eindrucksvollen Ergebnisse vorgestellt.

Altbestand Stadtbibliothek MD Beitrag 2Ebenfalls restauriert wurde das älteste Werk im Altbestand der Stadtbibliothek Magdeburg. Es handelt sich dabei um eine in Pergament gebundene Papiersammelhandschrift, die in das 15. Jahrhundert zu datieren ist. Das als „Hallisches Chronicon“ bezeichnete Werk enthält unter anderem einen Teil der „Denkwürdigkeiten des hallischen Rathsmeisters Spittendorf“, die 1880 als Band 11 der Reihe „Geschichtsquellen der Provinz Sachsen und angrenzender Gebiete“ editiert worden sind. Das älteste Buch der Stadtbibliothek stammt ebenfalls aus dem 15. Jahrhundert. Dabei handelt es sich um eine Inkunabel – einen Wiegendruck, nämlich um die 1497 in Magdeburg gedruckte „Agenda Magdeburgensis“. Dieses in Schweinsleder gebundene Buch wurde von dem zwischen 1491 und 1504 in Magdeburg ansässigen Moritz Brandis, einem der bekanntesten Gutenberg-Schüler, gefertigt. Das Buch ist über die Inhaberin des Magdeburger Antiquariats am Hasselbachplatz, Annerose Busse in den Besitz der „Stiftung Kunst und Kultur der Stadtsparkasse Magdeburg“ gelangt und von dieser im Jahr 2012 als Dauerleihgabe in den Altbestand der Stadtbibliothek übergeben worden.

Wer diese Schätze und andere Bücher aus dem Altbestand nutzen möchte, kann dies im Lesesaal der Stadtbibliothek tun. Die Voranmeldung zur Nutzung des Lesesaals sowie die Bestellung der jeweiligen Stücke können an den Infotischen in der Bibliothek oder telefonisch erfolgen. Mit dem OPAC-System der Stadtbibliothek kann in dem nahezu komplett erfassten Altbestand von zu Hause aus oder an den PC-Plätzen vor Ort recherchiert werden.

Übrigens: Obwohl das Blättern und Lesen in alten Büchern auch einen besonderen Reiz für alle Sinne hat, ist es manchmal auch im Sinne des Erhalts der Stücke nützlich, Digitalisate zu nutzen. Zahlreiche Bibliotheken haben dazu Initiativen angeschoben. Im folgenden sind die oben namentlich erwähnten Werke als Digitalisate verlinkt.

Über den Autor

Michael Anders

wurde in Wolmirstedt geboren und lebt seit 1999 in Magdeburg. Er studierte Geschichte und Politikwissenschaft an der Otto-von-Guericke-Universität mit dem Schwerpunkt ‘Geschichte des Mittelalters’. Seit 2011 ist er Stipendiat der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit und arbeitet an seinem Dissertationsprojekt zur mittelalterlichen Geschichte der Juden im Erzbistum Magdeburg und dem Bistum Halberstadt. Micha bloggt unter anderem auf parthenopolis.de zur Magdeburger Geschichte.